Die Rainhofwiese als Frischluftschneise, Biotop, Wasserspeicher, landwirtschaftliche Nutzfläche, Naherholungsraum und Spiel- und Sportfläche für Kinder

Schlagwort: Freiburg

  • Rote Karte für Kirchzarten?

    „Rote Karte für Freiburg wegen zu großer Hitze“ lautete die Schlagzeile der Badischen Zeitung vom 16. Juni 2025 auf der ersten Seite der Freiburger Ausgabe. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat in ihrem Hitze-Check 2025 Freiburg auf Platz 24 der am stärksten von Hitze beeinträchtigten Städte verwiesen. Insgesamt wurden 190 Städte mit mehr als 50.000 Einwohner untersucht. Der „Hitzebetroffenheitsindex“ der DUH setzt sich aus den Faktoren Versiegelungsgrad, Bevölkerungsdichte, Grünvolumen und Oberflächentemperatur in den Sommermonaten zusammen. Mehr als die Hälfte aller Einwohner Freiburgs ist von sommerlicher Hitze stark betroffen.

    Das schlechte Abschneiden Freiburgs im „Hitze-Check“ der DUH sei zum größten Teil auf die hohen gemessenen Oberflächentemperaturen zurückzuführen, und „das erklärt sich vor allem durch unsere Lage im vom Klimawandel besonders betroffenen Oberrheingraben“, so kommentiert das Umweltamt der Stadt Freiburg. Und das ließe sich nicht ändern: «Die Lage und das wärmere Klima sind gegebene Rahmenbedingungen, die wir naturgemäß nicht beeinflussen können» (BZ vom 16.06.2025). Also können wir nichts tun? Sind wir dem Klimawandel hilflos ausgeliefert?

    Das stimmt nicht! Die Aussage des Umweltamtes ist eine zu einseitige, schicksalsergebene Interpretation, die zu Nicht-Handeln verleitet. Erstens bezieht sich die gemessene Oberflächentemperatur der DUH nicht auf die Lufttemperatur, sondern auf die langwellige Ausstrahlung des Erdbodens. Nur diese wird flächenhaft mit Thermalbefliegungen gemessen und bewertet. Sie entspricht aber nicht der gefühlten Lufttemperatur (siehe Beitrag: Der Höllentäler bringt Abkühlung und Frischluft nach Kirchzarten).

    Und zweitens ist diese hohe Oberflächentemperatur zum großen Teil nicht auf den „vom Klimawandel besonders betroffenen Oberrheingraben“ zurückzuführen, sondern hausgemacht: Durch die Versiegelung von Verkehrs- und Gewerbeflächen sowie großer öffentlicher Plätze in der Stadt. Man denke nur an die Steinpflasterwüste des Platzes der Alten Synagoge. Die Thermische Belastungskarte der Stadtklimaanalyse von Freiburg zeigt deutlich, dass der nächtliche bioklimatische Index für die Gewerbe- und Innenstadtflächen um bis zu 5° C über den Werten der umgebenden Freilandflächen liegt.

    Und drittens können wir sehr wohl auch lokal etwas gegen den Hitzestress der Bevölkerung tun: Nämlich indem wir Frischluftschneisen von Bebauung freihalten und damit den kühlenden Flurwinden (im Fall von Freiburg also dem Höllentäler-Bergwindsystem) die Möglichkeit geben, die durch die Wärmeabstrahlung der Oberflächen aufgeheizten Luftmassen gegen kühlende Frischluft auszutauschen.

    Aber was hat unser beschauliches Kirchzarten, immerhin rund 10 km entfernt von der Hitzeinsel Freiburg, mit alldem zu tun? Sehr viel! Wenn wir durch unangepasste Bebauung das Höllentäler-Frischluftsystem bereits im oberen Dreisamtal beeinträchtigen und abschwächen, so dass die kühle Luft erst gar nicht nach Kirchzarten und Freiburg gelangt. Also geht die Rote Karte auch nach Kirchzarten!

    Aktuell steht ein Baugebiet mit mehrgeschossigen Häuserblocks auf der Rainhofwiese in Kirchzarten-Burg in der Diskussion, das mitten in der Frischluftschneise am Ausgang des Höllentals zu einer starken Beeinträchtigung des Frischluftsystems führen würde. Aus Sicht des Klimaschutzes und der Gesundheit der Bevölkerung im Dreisamtal und in Freiburg ist dies nicht zu verantworten (siehe Beitrag: Höllentäler-Frischluftsystem in Burg-Birkenhof gefährdet).

  • Fakten zu Gesundheitsrisiken im Stadtklima von Freiburg

    Prof. Dr. Gerd Jendritzky, LRDir aD

    Professur f. Meteorologie u. Klimatologie, Fakultät f. Umwelt u. Natürliche Ressourcen, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
    bis 2005: Leiter Abteilung Medizin-Meteorologie, Deutscher Wetterdienst DWD, Freiburg

    Planungsrelevante Kernaussagen:

    • Der Einfluss von Wärmebelastung auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit des Menschen ist unstrittig.
    • Die Gesundheitsrisiken nehmen mit zunehmender Wärmebelastung überproportional zu.
    • Signifikante Gesundheitsrisiken sind bereits aktuell mit der sehr häufig auftretenden „mäßigen“ Wärmebelastung verbunden.
    • Für Wetter, Witterung und Klima existieren keine Grenzwerte.
    • Im Abwägungsprozess nach BauGB ist der Nachweis zu führen, dass eine weitere Erhöhung der bereits vorhandenen Gesundheitsrisiken durch eine Baumaßnahme mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann.
    • Letztendlich ist es eine politische Entscheidung: Was muten die
      Entscheidungsträger der Bevölkerung an zusätzlichem
      Gesundheitsrisiko zu?